Missionierung der Mbya-Guarani
Mittwoch, 8. Juni 2005
von Anibal Modesto Velàzquez   

Kategorie SuedamerikaDer christliche Glaube greift die Kultur der Mbya-Guarani an - die Bekehrung spaltet die „Menschen der Natur“ -

„Wenn sie nicht zum Christentum übertreten, kommen sie in die Hölle!“, „Sie werden der Verdammnis anheimfallen, wenn sie nicht Christen werden!“ Mit derartigen Drohungen versuchen evangelische Pastoren die Mbya im ihren Dörfern im Departamento Caaguazù (Ost-Paraguay) einzuschüchtern. Der Angriff auf die autochtone Kultur der Mbya hat deshalb ihre geistigen Führer zum Widerstand aufgerufen um für den Erhalt ihrer Glaubensvorstellungen und Lebensweise zu kämpfen, denn dieses wird ihnen per Gesetz zu gestanden.

Doch die Sendboten des Christentums sind clever, in dem Sie argumentieren, daß gerade diese Glaubensfreiheit sie zu ihrem Ansinnen ermächtigt. Die Missionare, die inzwischen eine große Angst unter den Mbya verbreitet haben, stammen von der Evangelischen Kirche Deutschland. Unter ihnen agiert besonders heftig Pastor Uli, der die Eingeborenen warnt, falls sie nicht konvertieren, werden sie den Fluch empfangen und den Teufel erwarten mit allem nur erdenklich Bösen.
Die Mbya sind sehr empfindlich gegenüber Kontakte mit den Weißen und stets hat dieses Unruhe in ihre Siedlungen getragen. Die Taktik der Missionare ist folgende. Zuerst versuchen sie die Stammesführer zu beeinflussen, damit diese dann auf die geistigen Führer, die Pa`ì (Anm.: Schamanen/ Mittler zu den Geistern) Einfluß nehmen, um dann anschließend die übrigen Dorfmitglieder zu christianisieren. Der aktuell in die Mbya-Gemeinschaften herein getragene Konflikt stört die soziale Ordnung, Kultur und hat in ihrem Auswuchs dazu geführt, daß die Anlage der Gärten vernachlässigt wird. Die Missionare kamen zum Zeitpunkt der vorbereitenden Gartenarbeiten.
Im Dorf Noeva Esperanza konnten wir (d.h. die Reporter) deutlich den Schaden sehen den die Missionare verursacht hatten. Dort hatten sich 18 Schamanen zusammengefunden, die mit uns gesprochen haben über die Wichtigkeit der Bewahrung der Kultur der Lehren ihrer Ahnen.
„Wir haben unseren eigenen Gott und die Pa`i. Wir empfangen von ihm die Lehren für unsere Gemeinschaft. Wenn es keinen Respekt mehr gibt, werden wir aufhören zu sein, daß was wir sind. Wenn wir unseren Gott ändern, wird sich alles ändern.“, sagte der Schamane Christino Sosa. Er trug beim Gespräch die traditionellen Zeichen und bat, daß wir ihr Anliegen publik machen.
Es gibt 6.000 Mbya im Departamento. Der Konflikt mit den Missionaren ist nun zusätzlich massiv über sie herein gebrochen, nachdem sie in der Vergangenheit ständig unter Holzeinschlag und Landraub (auch durch landlose Bauern) gelitten haben. Die religiösen Mbya-Führer haben deshalb ihre Gemeinschaft aufgefordert, ihr Leben und ihre kulturelle Einheit zu bewahren, denn dazu gibt es keine Alternative. Ansonsten werden sie untergehen, denn es bliebe nur der Weg in die Elendssiedlungen der Städte, der Untergang der Indigenen.

Quelle: Zeitung ABC, 27.09.2004, Text/Foto: Anibal Modesto Velàzquez
Übersetzt: Joachim Müller; Bernd Wegener