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Weltweit: Indigene Konfliktherde - Bericht 56 - November 2011 Drucken E-Mail
Dienstag, 20. Dezember 2011
von FdN, IC   
ImageMindestens vier samische Gemeinschaften erheben sich gegen Bergbauunternehmen, die ihre anerkannten Rentierweidegründe in Nordschweden ausbeuten wollen. Letzte Woche haben zwei der Gemeinschaften berichtet, dass das britische Bergbaunternehmen Beowulf gegen seine eigenen ethischen Grundsätze verstoßen habe, indem es versäumte, diese bei der Planung einer neuen Eisenerzmine auf ihren Weidegründen angemessen einzubeziehen. In der Zwischenzeit fuhren zwei Gemeinschaften damit fort, gegen die von Scandinavian Resources (SRC) geplante Eisenerzmine im Kalix Flusstal Tal des Flusses Kalix zu protestieren, die weniger als 200 Kilometer von dem geplanten Projekt von Beowulf entfernt läge.

Nach dem Aufsehen erregenden Mord an Nísio Gomes letzten Monat flößen Bewaffnete indigenen Gemeinschaften in Brasilien mit ihren "Abschusslisten" bekannter Stammesführer unverfroren Angst ein. Berichten zufolge von mächtigen Landeignen in Mato Grosso do Sul eingestellt, verbreiten diese Bewaffneten ein Klima der Angst, um die Guarani daran zu hindern auf ihr angestammtes Land zurückzukehren. Ein Führer berichtete Survival International: "Sie zielen auf uns und sind darauf aus, uns zu töten. Wir befinden uns in großer Gefahr. Hier in Brasilien gibt es für uns keine Gerechtigkeit. Wir können uns nirgendwo mehr verstecken."

Eine Gruppe von Indigenen erhebt ihre Stimme gegen den Texas State Golfplatz;einen 9-Loch-Golfplatz, der auf zeremoniell genutztem Land in der Nähe von Lake See liegt. Glücklicherweise wurde ein Plan zur Erweiterung des Golfplatzes zwar zurückgezogen,  aber nichtsdestotrotz zeigt sich das von Mitgliedern des Meakan/Garza Bundes gegründete Indigenous Cultures Institute besorgt über den Golfplatz. Laut Mario Garza, dem Präsidenten des Indigenous Cultures Institutes, stören vorbeikommende Golfer und Gerätetaucher ständig die dort stattfindenden Zeremonien.

Die (Yindjibarndi Aboriginal Corporation (YAC) beschuldigt Fortescue Metals, Stammesältesten den Zugang und damit die Inaugenscheinnahme der heiligen Stätten beim Solomon Hub Projekt des Unternehmens zu verwehren. Bei der letzten derartigen Aktion in der lang andauernden Auseinandersetzung zwischen YAC und Fortescue Metals Group beschwerte sich Michael Woodley, Präsident von YAC, dass die Ältesten, die versuchten, das Baugelände auf von Fortescue Firetail gepachtetem Land zu überprüfen, von Sicherheitskräften unter Androhung von Gewalt daran gehindert wurden, das Gelände zu betreten. Das Unternehmen ließ verlauten, dass den Oberen von YAC und den Stammesältesten der Zugang verwehrt wurde, weil sie eine Kamera mit auf das Gelände nehmen wollten, was gegen die Firmensatzung verstößt. Sende FMG eine Nachricht: Hört auf, das Volkes der Yindjibarndi ausbeuten zu wollen!

Der Ältestenrat des Turtle Mountain Bundes der Chippewa- Indianer verabschiedete einen Beschluss, welcher das hydraulische Aufbrechen oder die Frac-Methode im North Dakota- Reservat verbietet. Der Beschluss wendet sich auch an den Gemeinderat, dieser möge "Mutter Erde vor jeglicher Verunreinigung, die ihren Bewohnern, Land, Wasser und Luft schaden könnte" beschützen.

In der Dominikanischen Republik wurde ein neuer Gesetzestext eingebracht, der die indigene Gemeinschaft des Landes im Prinzip auslöschen würde. Laut eines aktuellen Artikels der Dominician Today ist für den neuen Personalausweis mit der "Wahlrechtsreform der Dominikanischen Republik" nur noch die Zuordnung zu einem von drei ethnischen Hintergründen möglich. Bei diesen Volkszugehörigkeiten handelt es sich um Mulatte, Schwarzer oder Weißer. Während sich die indigene Bevölkerung des Landes (nach einigen Schätzungen) seit 1492 um 98 Prozent verminderte, existiert das Volk der Taino noch immer und kämpft um die Rückgewinnung seiner Kultur.

Während das Volk der Wixaritari weiterhin gegen die Bedrohung der ihm heiligen Landschaft in der als Wirikuta bekannten mexikanischen Region durch Bergbau kämpft, wurde ein anderes heiliges Gebiet durch die Regierung unter Zugeständnissen freigegeben. So sollen laut Minister für Umwelt und Naturressourcen (Semarnat) schätzungsweise 250 Acres Land in Strandlage für den Tourismus erschlossen werden, darunter auch das heilige Gebiet Tatéi Haramara.

Die Regierung Belizes hat stillschweigend einem amerikanischen Ölunternehmen Bohrrechte für geschütztes Maya-Land im Sarstoon Temash Nationalpark (STNP) im Bezirk Toledo im südlichen Belize eingeräumt. Diese reichlich hinterhältige Aktion fand laut dem Sarstoon Temash Institut für indigenes Management (SATIIM) unter Missachtung einer historischen Entscheidung des obersten Gerichtes statt, durch welche die Verpflichtung bekräftigt worden war, den international anerkannten Standard der unterrichteten Zustimmung einzuhalten.

Die Regierung von Manipur ist im Begriff, hunderte der schwimmenden Hütten („Khangpokshang“) des Volkes der Meitei im Feuchtgebiet Loktak in Zentralmanipur niederzubrennen. Die Regierung bezichtigt die Indigenen, den See zu verschmutzen; die Meitei allerdings halten dem entgegen, die gesamte Verschmutzung dort stamme in Wirklichkeit von dem Mehrzweck-Wasserkraftprojekt Loktak. Fast 200 dieser schwimmenden Hütten sind schon verbrannt worden. Den restlichen 1132 droht ein ähnliches Schicksal.

Sagrada Terra Especulada (übersetzt etwa so viel wie „Mutmaßlich Heilige Erde“), ein brasilianischer Verband, der für indigene Landrechte eintritt, wirbt für einen Dokumentarfilm und eine Petition zum Schutz des Pajé-Schutzgebietes in der Nähe von Brasilias Pilotplan. Dieser Teil der Savanne wird durch Bodenspekulationen über die Errichtung einer sogenannten "ersten umweltfreundlichen  Wohngegend in Brasilien" bedroht.

Ein Bündnis zwischen den Unist'ot'en („Volk der Quellgebiete“) und den Likhts'amisyu („Angestammte Häuptlinge“) des Volkes der Wet'suwet'en hat eine Gruppe von Bohrarbeitern von ihrem angestammten Land vertrieben - und somit eine klare Botschaft an Enbridge, Pacific Trails und die gesamte Ölindustrie gesendet: "Wir können und wollen keine Pipelines in unserem Gebiet dulden."

Die Gemeinschaft der Splats'in vom Volk der Secwepemc ergreift Maßnahmen gegen die geplante Veräußerung von Cqltqín, dem Areal einer historischen Dorfanlage am Mabel Quellsee in British Colombia. 2007 beantragten die Stadt Enderby und der Bezirksdistrikt von Nordokanagan bei der Provinz, die letzten verbliebenen 9 Acres bewohnbaren Landes zu pflastern und in einen Dauerparkplatz umzufunktionieren. Die Führer der Splats'in lehnen sich gegen diesen Antrag auf, der direkt gegen die UN-Deklaration der Rechte indigener Völker verstößt und ihnen im Prinzip den Zugang zur ehemaligen Fischer- und Dorfanlage versperren würde.

Die Weltbank bereitet sich darauf vor, mit einem neuen Finanzierungsprogramm vorzupreschen, das  praktisch 26 der Schutz- und Sicherheitsrichtlinien der Bank aufheben würde, darunter auch solche, die Auswirkungen auf  den Umgang mit indigenen Völkern, umwelttechnischen Begutachtungen, physischen und kulturellen Ressourcen, Wäldern, natürlichen Lebensräumen und Zwangsumsiedlungen hätten. Bis jetzt hat die Weltbank bezüglich des geplanten "Programmes für Resultate (P4R)" noch nicht den Kontakt zu den indigenen Völkern gesucht – und wird es wahrscheinlich auch nicht tun, wenn die internationale Gemeinschaft sie nicht dazu zwingt.

Das amerikanische Repräsentantenhaus hat einen kontrovers diskutierten "Landtausch"-Gesetzestext angenommen, mit dem der britisch-australische Bergbauriese Rio Tinto direkten Zugriff auf Orte hätte, die für die Apachen und andere indigene Völker im südöstlichen Arizonsgebiet heilig sind. Im Gegenzug zu diesem "Geschenk" des amerikanischen Repräsentatenhauses möchte Rio Tinto einige an Bodenschatz arme Gebiete freigeben, sprich dem amerikanischen Forstamt und dem Landverwaltungsamt überlassen.

Eine Gruppe von Stammesältesten, traditionellen Stammesführern und Vertretern der indigenen Gemeinschaften des Northern Territories erheben ihre Stimme gegen den Plan der australischen Regierung, die Eingriffe in das Northern Territory auszudehnen. Anstatt mit einem experimentellen „Rundumschlag“ dieser Art blindwütig ins Blaue zu schießen, sollte nach Meinung der Gruppe mit diesem pauschalen "Experiment" versucht werden, von Fall zu Fall mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten. Diplomatische Diskussionen und Rücksprachen werden ebenso gefordert wie "eine ehrliche und umfassende Vertragsverhandlung mit der australischen Regierung unter der Aufsicht der Vereinten Nationen". Die Gruppe verlangt außerdem eine weitere Entschuldigung für die "Schmerzen, die Peinlichkeit, die Schande und das Stigma", die seit dem Beginn dieser „Intervention“ 2007 entstanden sind (die - wie viele Menschen nicht wissen - zum großen Teil auf unverblümte Lügen der Regierung und der Medien zurückzuführen ist).

Zunehmende Unterdrückung im südwestlichen Äthiopien lässt die Angst wachsen, dass Soldaten – im Namen von malaysischen Investoren und der Regierung – bald anfangen könnten, Menschen dafür zu töten, dass sie ihr angestammtes Gebiet nicht verlassen wollen, um so in den Besitz großer Zuckerrohr-, Baumwoll- und Biotreibstoffplantagen zu kommen. Über 200 Indigene der Völker der Bodi, Mursi und Suri, darunter auch Alte und Kinder, wurden bereits von den Soldaten verhaftet. Die Soldaten schüchtern die indigenen Völker ein und drohen ihnen mit dem Tode.

Ein Palmölunternehmen hat gewaltsam eine indigene Gemeinschaft aus einem der letzten Teile des Regenwaldes in der indonesischen Provinz Ostkalimantan auf der Insel Borneo vertrieben. Laut Abdon Nababan, dem Geschäftsführer des Bundes indigener Völker am Archipel (AMAN), entstand der Konflikt durch das Versagen der Regierung, die traditionellen Gebietsansprüche über die Forstfläche anzuerkennen, die seit Generationen von den Dayak Benuaq genutzt wird.

Die Regierung von Panama scheint die Befürchtungen der Ngobe-Bugle zu den geplante Reformen der Bergbaurichtlinien des Landes aufzugreifen. Im Februar und März letzten Jahres konnten die Ngobe-Bugle in Verhandlungen erfolgreich eine größere Umstellung in der geplanten Bergbaurichtlinien aushandeln, welche den Tagebau in ihren Gebieten erleichtert hätte. Allerdings konnte die Regierung seinerzeit die meisten Befürchtungen der Ngobe-Bugle nicht berücksichtigen. Laut dem Minister für Handel und Industrie, Ricardo Quijano, ist dies nun nicht mehr der Fall. Seiner Aussage nach "werde sich der Gesetzestext zum Bergbau nicht auf die [indigenen] Gebiete auswirken" und enthalte auch keine Punkte, denen die Ngobe-Bugle widersprechen würden. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Aussage der Wahrheit entspricht.


Videos des Monats

The Young Ancestors: The Young Ancestors zeigt eine Gruppe von amerikanischen Ureinwohnern im Teenageralter, die unter der Anleitung eines Mentors ihre Muttersprache erlernen. Im weiteren Zusammenhang wird hier von der aufkeimenden Bemühung indigener Völker erzählt, ihre Sprache und Kultur wiederzubeleben.  

Wanggangarra...that which gives life: Wanggangarra ist ein Film über Familiengeschichten, Beziehungen und Achtung zwischen den Yindjibarndi und Ngarluma im westaustralischen Westpilbara.

Recognition, Reconciliation and Resentment in Indigenous Politics: Ein einfühlsamer und die Politik einbringender Vortrag Dr. Glen Coulthards zur "Anerkennung, Versöhnung und Ablehnung in der Politik indigenen Völkern gegenüber". Dieser Vortrag wurde am 16. November im Goldcorp Centre for the Arts in West Hastings Street 149 in Vancouver (BC) gehalten. 

Underreported Struggles ist eine monatliche Zusammenfassung zensierter und journalistisch in Vergessenheit geratener Nachrichten, die von Intercontinental Cry zusammen getragen wird.

Übersetzung FdN (heal)
 
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