| Weltweit: Indigene Konfliktherde - Bericht 52 - Juli 2011 |
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| Mittwoch, 17. August 2011 | |
| von FdN, IC | |
Diesen Monat bei Underreported Struggles: größte indigene Organisation Kolumbiens kündigt neue "Minga des Widerstandes" an; Algonquin der Lake Barrier Region feiern Rückzug des Bergbauunternehmens von ihrem Territorium; italienischer Geschäftsmann lässt indigene Familien durch Sicherheitskräfte von ihrem Land vertreiben. Cap-Ex Ventures Ltd. (Cap-Ex), ein Junior-Bergbauunternehmen mit Sitz in Vancouver, hat sich entschieden, die Versuchsbohrungen fortzusetzen und so direkt gegen das Abkommen mit den Innu von Uashat mak Mani-Utenam (ITUM) zu verstoßen. Letztere haben sich entschieden dafür eingesetzt, Kontakt mit dem Unternehmen aufzunehmen und ein Abkommen mit dem Unternehmen über Bohrungen zu treffen, um so ihr angestammtes Land zu schützen. Diese unverantwortliche, das Bundesrecht verletzende Aktion des Unternehmens lässt den Innu keine andere Wahl als zu protestieren. In den letzten Monaten sind viele indigene Bangladescher auf die Straße gegangen, um mit Zusammenkünfte, Menschenketten und politische Kundgebungen die gesetzliche Anerkennung ihres Volkes zu fordern. Diese fortdauernde Forderung hat ihren Ursprung in der "Indigenen"-Debatte, in der Regierungsabgeordnete geleugnet haben, dass sich überhaupt Indigene im Land aufhalten. Ein aufschlussreiches Gespräch mit einem Bengalen rückt die Debatte ins rechte Licht.Ramu mit Landbesitz in Papua Neuguinea haben geschockt auf das Urteil eines Richters reagiert, der den kontrovers diskutierten Tiefseemüllbeseitigungsplan für die Chinesen gehörende Ramu Nickel Mine für zulässig erklärt hat. Die Zulassung folgte direkt auf die richterliche Anerkennung des Risikos einer irreversiblen Zerstörung der marinen Ressourcen. Die Landeigentümer erklärten, dass sie Einspruch gegen das Urteil einlegen werden. Die chilenische Aysén Environmental Review Commission hat dem Antrag auf ökologische Begutachtung zweier Flüsse des 5-Damm-Projektes zugestimmt. Die Zustimmung wird kontrovers diskutiert und sorgte für Proteste in vielen Städten, darunter auch Santiago. Laut Kritikern wird die Serie von Dämmen eine weitgehend unberührte Region in Patagonien zerstören. Die Proteste erreichten Coyhaique, die Stadt, in der das Urteil gefällt wurde, in Form von Protestmärschen mit über 1000 Teilnehmern. Zusammenstöße mit der Polizei resultierten in dem Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten. Berichten zufolge warfen Demonstranten Steine auf Autos der Kommissionsmitglieder. Dutzende Menschen wurden verhaftet. Ähnliche Vorfälle fanden auch in Santiago statt. Das Regional Indigenous Council of Cauca (CRIC), die älteste und größte Organisation der Graswurzelbewegung in Kolumbien, veröffentlichte einen Aufruf für eine „Minga des Widerstandes“, um in indigenen Gebieten der kolumbianischen Provinz Cauca wieder Autonomie und Frieden herzustellen. Der Aufruf zur „Minga“ - einem Ausdruck, der auf eine traditionelle Zusammenkunft oder Aktion für das kollektive Wohl zurückzuführen ist - erfolgte nur 10 Tage, nachdem die Revolutionary Armed Forces of Columbia (FARC) in mindestens 5 indigenen Dörfern eine Serie von gewaltsamen Überfällen verübten. Die Algonquin der Barrier Lake Region feiern die aktuelle Entscheidung des Cartier Resources Inc. ihre Probebohrungen auf angestammtem Land der Algonquins-Gemeinschaft im nordwestlichen Quebec einzustellen. Die Entscheidung stellt einen wichtigen Schritt Kanadas in Richtung des in der UN-Erklärung der Rechte indigener Völker beschriebenen Right of Free, Prior and Informed Consents (FPIC) (Artikel 10: „[…] freiwilliger und in Kenntnis der Sachlage erteilter vorheriger Zustimmung der betroffenen indigenen Völker und nach Vereinbarung […]“) dar. Das Committee to Protect Glen Cove verkündete einen wichtigen Sieg in dem nun schon 98-Tage andauernden Kampf für den Schutz der heiligen Stätten in Sogorea Te/Glen Cove im kalifornischen Vallejo. Einer aktuellen Pressemitteilung zufolge unterzeichneten die Stämme der Yocha Dehe und der Cortina eine Erklärung zur Besiedlung mit der Stadt Vallejo und dem Greater Vallejo Recreation District (GVRD). Die Erklärung vom 19. Juli spricht den beiden Stämmen das Recht der Hauptaufsicht über künftige Aktionen innerhalb des 15-Acre großen Gebietes zu. Nach über 30 Jahren der Auseinandersetzung um den Schutz des Koongarra-Gebietes vor der Bedrohung des Uranbergbaus können die Indigenen Kakadus endlich aufatmen. Das Weltkulturerbekomitee kündigte letztens an, die Grenzen des Kakadu Nationalparks zu erweitern und so Koongarra mit in das Weltkulturerbe einzubinden. Sicherheitskräfte des italienischen Geschäftsmannes Idolo Augustine Mastronei vertrieben eine Gruppe von Bribri-Familien gewaltsam von ihrem Territorium in der Talamanca-Region Costa Ricas. Die Sicherheitskräfte betraten begleitet von Justizbeamten das Keköldi Indigenous Reserve, um die Familien des Bribri-Stammes umzusiedeln, wie man sagt, da diese in einem 50 Hektar großen Gebiet wohnten, das Mastronei bei einer Auktion verkauft hat. Die meisten Erwachsenen wurden bei der Räumung verhaftet, „während die Kinder in ihren eigenen Häusern mit vorgehaltener Waffe durch (die) private(n) Sicherheitsleute bedroht wurden.“ Alle 9 Oberhäupter des Volkes der Matawa First Nations unterzeichneten eine historische Erklärung, in der sie verkünden zusammen zu halten um natürliche Resourcen und Gebiete von Angehörigen der First Nations zu beschützen. In der Mamow-Wecheekapawetahteewiin- „Unity Declaration“ heißt es, dass die 9 Matawa-Gemeinschaften darin übereinstimmen, dass sie „zusammenhalten müssten, um sicherzustellen, dass unser Volk beschützt wird. Darum machen wir unsere angestammten und vertraglichen Rechte auf das Land, das Wasser und die Ressourcen geltend, indem wir verlangen, dass unserer schriftlichen Zustimmung erforderlich ist, bevor irgendwelche Erschließungsarbeiten ausgeführt werden dürfen.“ Die „Unity Declaration“ stelllt weiterhin fest, dass jegliche „Unterlassung der Rücksprache mit einzelnen oder mehreren der First Nations sowie das Versäumnis einer Berücksichtigung oder Einholung ihrer Zustimmung im weiteren Verlauf der Fortsetzung irgendwelcher Arbeiten oder Aktivitäten eine nicht zu rechtfertigende Verletzung der Rechte darstellt, die wir als First Nations in der Eigenschaft von Ureinwohnern, Vertragspartnern und treuhänderischen Verwaltern innehaben.“ Die Fundación para la Sobrevivescia del Pueblo Cofán (FSC) und ihre in den USA ansässige Niederlassung Cofan Survival Fund haben eine neue Fundraising-Kampagne namens „The Campaign for 5000“ zur Unterstützung des einzigartigen Cofán Ranger Park Guard Programms ins Leben gerufen. Das Programm „Cofan Ranger Park Guard“, entworfen und organisiert von den indigenen Cofáns Nordecuadors, zeichnet für den erfolgreichen Schutz von mehr als einer Million Acre eines der weltweit größten artenreichsten Waldgebiete verantwortlich. Der malaysische Palmölriese Shin Yang erhörte die Gebete und Hoffnungen von sechs Penan-Dörfern im malaysischen Bundesstaat Sarawak. Gegen Ende des letzten Jahres wurden die 6 Dörfer mit der Nachricht konfrontiert, dass sie nicht nur ihr Land zwangsräumen müssten um Platz für einen Staudamm zu machen, sondern auch in einem Gebiet „abgestellt“ werden würden, das in eine Palmölplantage umstrukturiert werden würde. Glücklicherweise erließ das Unternehmen freiwillig einen Arbeitsstopp in diesem Gebiet, um vonseiten der Behörden eine Überprüfung abzuwarten, dass das Land tatsächlich als Penan-Gebiet ausgewiesen wurde. Ein neuer Bericht der Washingtoner Rights and Resources Initiative (RRI) zeigt, dass immer mehr asiatische Regierungen Indigenen größere Kontrolle über ihre natürlichen Ressourcen und angestammten Gebiete gewähren, um Abforstung aufzuhalten. Länder wie China, Indien und Vietnam machen nicht nur beim Aufhalten von Abforstung, sondern auch bei der Vergrößerung ihrer Waldgebiete „dramatische“ Fortschritte. Laut Bericht ist in Indonesien dieser vielversprechende regionale Trend nicht angekommen. Ein Riss in der Pipeline des Maple Energy’s Ölblocks 31-E etwa 75 Meilen nördlich von Pucallpa in Peru verunreinigt den Amshiria-Fluss, die primäre Trinkwasserquelle und Hauptfischgrund für die benachbarte indigene Gemeinschaft der Shipibo von Nuevo Sucre, mit Rohöl. Der lokale Verantwortliche der Dublin incorporated transnational bewegte 32 Mitglieder der Gemeinschaft der Shipibo zu einer Kehrtwende und engagierte sie für die Säuberung des Flusses mit Lumpen und Eimern - ohne entsprechende Schulung, ohne Schutzkleidung und ohne sie über die gesundheitlichen Risiken von Rohöl aufzuklären. Tausende von indigenen Kolumbianern haben Stimmzettel mit falschen, erniedrigenden Namen von Notaren ausgehändigt bekommen, die beschlossen hatten „ein wenig Spaß“ auf Kosten der Indigenen haben zu wollen. Da die Indigenen Spanisch weder sprechen noch lesen können, schrieben die Offiziellen Namen wie „Tarzan“, „Clown“, „Winzling“ und „Gorilla“ auf die Stimmzettel. Diese Aktion wurde in der Dokumentation „We were born on December 31st“ festgehalten, die die Geschichte der Behandlung von indigenen Kolumbianern durch Wahlhelfer erzählt. Laut Umweltschützern drängt eine der weltgrößten Private-Equity-Firmen, die Blackstone Group, auf eine brandneue 72.000 Hektar große Palmölplantage tief in den Regenwald ein. „Dies wird in eine noch größere ökologische Katastrophe für den Regenwald Kameruns münden als die in Planung befindliche Schnellstraße durch die Serengeti-Savanne. Die Palmölplantage wird außerdem diese einzigartige Landschaft zerstückeln und die natürliche Bewegungsfreiheit vieler Tierarten einschränken“, heißt es in SAVEs aktueller Facebook Kampagne „Stop Blackstone Deforestation in Kameroon“. Eine Gruppe von 18 amerikanischen und kanadischen Bürgern besuchte die Gemeinschaft der Rigores, Tocoa, Cortes und Honduras, um etwas über die gewaltsame und illegale Vertreibung vom 26. Juni zu erfahren. Während sich die Gruppe Zeugenaussagen über die Attacke anhörte, brannte eine Gruppe von Sicherheitskräften Häuser der Gemeinschaft im Stil eines militärischen Überfalls nieder. Im Gegensatz zum vorhergegangenen Überfall begangen die paramilitärischen Kräfte wohl wegen der Anwesenheit der Menschenrechtler keine Gewalttaten. Aymara in der peruanischen Region Puno beendeten ihren 45 Tage andauernden Streik gegen die mineralgewinnende Industrie, nachdem mit der peruanischen Regierung ein Abkommen über die in kanadischem Eigentum stehende Mine Santa Ana getroffen worden war. Laut Walter Aduviri, dem Führer der Natural Resources Defense Front der Südzone Punos, stimmte die Regierung einer Aussetzung des umstrittenen Projekts des Bergbauunternehmens zu. Videos des Monats Village in Chiapas Starved of Medical Services for REDD - In diesem Video beschreiben Bewohner aus Dorf Amador Hernández im Montes Azules Biosphere Reserve im Lacandon-Dschungel des mexikanischen Bundesstaates Chiapas, wie sich aus der Klimawandel-Politik und dem Streben der Staatsregierung nach einem „Schutz“ des Waldes eine andauernde Bedrohung für ihr Land ergibt. Hello, Can you hear us? - Angefangen bei den Zapoteco- Gemeinschaften in Mexiko bis hin zu den bolivischen Aymara wird in AQUI SOMOS (Hello, Can you hear us?) der Kampf von vier indigenen Gemeinschaften aufgezeigt, wobei der Fokus auf der Gemeinschaft der Wayuu in Venezuela liegt. Doo’ko’oosliid: What the San Francisco Peaks Means to the Dine - Doo’ko’oosliid“ ist ein von Jugendlichen der Dine-Gemeinschaft produzierter Film über die Beziehung zwischen den San Fransisco Peaks und ihrer Gemeinschaft. Der Film entstand während eines einwöchigen Friedens- und Filmcamps im Jahr 2011 unter der gemeinsamen Leitung von Rachel Tso, dem Jugendberater Camille Manybeads und Kira Butler. The Experimental Eskimos - In den frühen 1960ern führte die kanadische Regierung ein sozialtechnisches Experiment durch, in dessen Verlauf 3 junge Inuit von ihren Familien in der Arktis getrennt und nach Ottawa zur Erziehung in Schulen mit „weißen“ Kindern geschickt wurden. Alle drei wuchsen zu politischen Aktivisten und Führern im Kampf für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Kanada heran. Aber was für einen hohen Preis mussten sie dafür zahlen… Underreported Struggles ist eine monatliche Zusammenfassung zensierter und journalistisch in Vergessenheit geratener Nachrichten, die von Intercontinental Cry zusammen getragen wird. Übersetzung FdN (heal) |
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