| Klima- und Naturschutz: Der Todesstoss für indigene Völker |
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| Montag, 22. August 2011 | |
| von fPcN/FdN | |
Was auf den ersten Blick positiv zu wirken scheint, das Klima- und Naturschutz per se gut ist, entpuppt sich auf dem zweiten Blick als die größte Katastrophe der Neuzeit für indigene Völker auf unserem Planeten. Der westlich geprägte Klimaschutz, mit seinem forcierten Anbau von Bioethanol und Palmöl für die westliche Mobilität (E 10), mit seinem Bau von gigantischen Wasserkraftwerken und dem Ausbeuten der letzten Uranvorkommen für angeblich klimafreundlichem Strom sowie der Schaffung von Nationalparks (Siehe in unserem Medienbereich den fPcN Film „Conservation Refugees“), führt zur vollständigen Eliminierung von einzigartigen Kulturen, die seit zig Tausenden von Jahren existieren und nun innerhalb kürzester Zeiträume vor der Exekution stehen. Sie gehören zu jenen Völkern, die sich durch ihre Lebensweise in das Planungsschema der immer weiter um sich greifenden Konsum- und Leistungsgesellschaft nicht ohne weiteres eingliedern lassen. Mit ihnen gehen einzigartige Kulturen einschließlich der damit verbundenen Naturreligionen und –philosophien sowie ihre Wertvorstellungen verloren. Zu den Speerspitzen des derzeit praktizierten Klimaschutzes gehören neben Regierungen auch multinationale Umweltschutzorganisationen wie der WWF, der durch seine „grünen“ Abkommen mit der Industrie maßgeblich für die Degradierung der letzten Naturräume einschließlich ihrer genetischen Vielfalt mitverantwortlich ist. Hinzu kommen die Vertreibungen von indigenen Völkern im Namen von Naturschutz und Entwicklung. Ob das Belo Monte Wasserkraftwerk am Rio Xingu und die Bioethanol Produktion in Brasilien, ob der Gibe III Staudamm und die Landkonzessionsvergaben in Äthiopien, ob die Palmölplantagen in West Papua und Malaysia oder die Uranminen in Kanada, Niger und Australien; alle diese Projekte vernichten nachhaltig indigene Völker im Namen von Nachhaltigkeit, Klima- und Naturschutz. Ostafrika Durch die Medien geistern derzeit Bilder von hungernden Kindern am Horn von Afrika. Schuld an der Katastrophe, die mehrere Millionen Menschen erfasst hat, sind vor allem laut Medienberichterstattung der Klimawandel (maßgeblich hervor gerufen durch die Industriestaaten) und der Bürgerkrieg in Somalia. Kein Wort fällt dagegen über die Landkonzessionsvergabe von zig Millionen Hektar fruchtbarem Ackerland an ausländische Investoren im Namen von Entwicklung und Fortschritt in Kenia und Äthiopien, die die südlichen und nördlichen Hungergürtel des Krisengebietes bilden. Beide Länder erhalten internationale Lebensmittelhilfen durch die Weltgemeinschaft! Landkonzessionsnahme bedeutet im Gegenzug die Vertreibung von zig tausenden Kleinbauern, die teilweise aus Not in die wenigeren fruchtbaren Gebiete der jetzigen Hungergürtel abgewandert sind und dort den Druck auf die Flächen erhöht haben. Den vertriebenen kleinbäuerlichen Strukturen, die sich den natürlichen Gegebenheiten und Zyklen angepasst hatten, folgen Monokulturen entweder um Lebensmittel für den Export oder Pflanzen für den globalen Biospritmarkt anzubauen. Kein Wort fällt auch über den im Bau befindlichen Gibe III Staudamm, der das endgültige Aus für den natürlichen Verlauf des Omo Flusses in Äthiopien bedeuten wird. An seinen Ufern leben heute noch ca. 200 000 indigene Bauern und Viehhalter, die dadurch nachhaltig ihrer Lebensgrundlagen beraubt werden. Nach Fertigstellung des Projektes werden zusätzlich etwa 300 000 indigene Kleinbauern und Viehhalter rund um den Turkana See in Nord-Kenia, der durch den Omo Fluss gespeist wird, betroffen sein. Sein Wasserstand wird sich durch den Gibe III Staudamm rapide verändern. Die nächste hausgemachte Katastrophe in dieser Weltregion scheint demnach nur noch eine Frage der Zeit. Weitere Informationen unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Gilgel_Gibe_III Brasilien Ähnliche Auswirkungen wird auch der sich bereits im Bau befindliche Belo Monte Staudamm am Rio Xingu in Brasilien auf die dort lebenden indigenen Völker und Kleinbauern haben. Über drei Talsperren soll der Fluss zu zwei Stauseen mit einer Fläche von zusammen etwa 500 km² aufgestaut werden. Die Belo Monte Staudammpläne des postkolonialen Brasiliens zeigen, dass die selbsternannte Zivilisation selbst nach über 500 Jahren Ausbeutung, Völkermord und Unterdrückung nichts hinzu gelernt hat. Trotz der kürzlichen Sichtung bislang unkontaktierter Indianer durch Mitglieder der Asurini Indianer am Rio Xingu und deren Bestätigung durch die brasilianische Indianerschutzbehörde FUNAI, hat die selbige Behörde, die eigentlich für den Schutz der brasilianischen Indianervölker zuständig ist, dem Bau des Belo Monte Staudamms zugestimmt. Im Gegenzug hat die FUNAI beschlossen, dass nur Mitarbeiter der Behörde selbst die Anwesenheit unkontaktierter Indianer untersuchen dürfen. Das mit 11.000 Megawatt geplante Belo Monte Wasserkraftwerk wäre nach dem Itaipu-Damm das zweitgrößte Brasiliens und das drittgrößte weltweit. Belo Monte wäre damit ein größeres Projekt als der Panamakanal. Durch die geplante Überflutungsfläche wird mit Umsiedlungen von bis zu 40.000 Menschen aus dem Überflutungsgebiet gerechnet, darunter überwiegend indigene Völker wie die Kayapo u.a. Von dem Vernichtungsfeldzug gegen den Regenwald einmal ganz abgesehen. Die Regierung Brasiliens hatte zuvor versprochen, das Projekt nicht gegen den Willen der lokalen Bevölkerung durchzuführen. Das ist postkoloniale Willkür gegenüber den indianischen Völkern, die das geplante Wasserkraftwerk am Xingu Fluss strikt ablehnen. Weitere Informationen unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Belo_Monte West Papua Ein weiteres Projekt, dass die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung zerstören wird, ist MIFEE (Merauke Integrated Food and Energy Estate) in West Papua/Indonesien. Dort soll hauptsächlich mittels Plantagenwirtschaft überwiegend Palmöl produziert werden, das dem globalen Biospritmarkt zugeführt werden soll. Mit Argumenten wie der Verbesserung der lokalen Wirtschaft und der Selbstversorgung mit Lebensmitteln wurde das Merauke-Projekt ursprünglich enthusiastisch begrüßt. Die lokale und die zentrale Regierung brachten dann eigene Studien und Pläne für das Projekt hervor. Die Zentralregierung schlug zusammen mit Government Regulation 20/2008 on National Land Allocation ein Projekt namens “Merauke Integrated Food and Energy Estate” (MIFEE) vor, das Merauke als Hauptgebiet für den nationalen Agrarsektor ermittelte. Das Resultat war, dass der indonesische Präsident eine Entscheidung traf und somit das MIFEE-Projekts als Teil der Landbesetzung vorbereitete. Das Landwirtschaftsamt entschied die Besetzung von 1,6 Millionen Hektar. Ein Gebiet dieser Größe, einem Land wie Papua auferlegt, schließt nicht nur landwirtschaftliches und Durchwanderungsland für die Nahrungsmittelproduktion, sondern auch unberührte Wälder und geschützte Gebiete wie Torfe, Wassersammelbecken und Stammesgebiete wie das des Volkes der Malind mit ein. Dieses Projekt wurde entworfen, ohne die menschliche Entwicklung der indigenen Ureinwohner als einen der maßgeblichen Faktoren zu beachten. Tatsächlich war es so, dass sowohl die Zentral- als auch die Bezirksregierung den Eindruck entstehen ließen, dass dieses Land unbewohnt sei und niemandem gehöre. Die Menschen, die in Einheit mit der Natur in ihren einheimischen Behausungen leben, wurden einfach ignoriert. Sie wurden weder in der Planungsphase in die Verhandlungen mit einbezogen noch über das MIFEE-Projekt überhaupt informiert. Sie wurden darüber im Unklaren gelassen, dass ihre Kampungs und Dörfer zur strategischen Karte des Projekts gehören. Deshalb wird ihr traditionelles Land unter Wert geschätzt und sie sehen sich der Gefahr gegenüber, auf das Land anderer Clans umgesiedelt zu werden, wenn das Projekt verwirklicht wird. Inzwischen sind mehr als 100 000 Hektar Regen- und Sagowald für das Projekt gerodet worden! Ökozertifizierung von Palmöl durch den WWF Palmöl zählt heutzutage neben Bioethanol (Zuckerrohr und Mais) zu den wichtigsten Produkten für die Biospritproduktion. Vor allem aufgrund der Plantagenwirtschaft und der damit einhergehenden Abholzung großer Regenwaldflächen in den Hauptanbaugebieten der Ölpalme steht der Anbau von Ölpalmen international sowohl bei Umweltschutzorganisationen als auch politisch in der Kritik. Diese Aussagen wurden durch Forschungsergebnisse auf der Basis von Daten der FAO bestätigt, nach denen zwischen 1990 und 2005 1,87 Millionen Hektar Palmölplantagen in Malaysia und mehr als 3 Millionen Hektar in Indonesien neu angelegt wurden, von denen mehr als die Hälfte durch Abholzung von Wäldern entstand. Auf Initiative des WWF wurde im Jahr 2004 der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO) gegründet. Da sich das Gremium aus 303 Mitgliedern zusammensetzt, von denen 282 Wirtschaftsunternehmen den Hauptanteil stellen, kommt den verbleibenden 21 Umwelt- und Sozialorganisationen wohl kaum eine tragende Rolle zu. Der RSPO ist daher in erster Linie ein Gremium zur Durchsetzung von Interessen der Industrie. Zudem lässt der RSPO länder-spezifische politische Grundsatzfragen wie z.B. den Schutz indigener Völker außer Acht. Weitere Informationen unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Palmöl Weitere Informationen unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Roundtable_on_Sustainable_Palm_Oil Dies soll an dieser Stelle nur ein Beispiel sein, dass der WWF mit von der Partie ist, wenn die Welt unter dem Agro-Business aufgeteilt wird. Weitere Informationen und Kritik am WWF auch zum Anbau genetisch veränderten Soja finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/wiki/WWF http://www.angrymermaid.org/de/monsanto WWF und Holzhandel http://www.globalwitness.org/library/wwf-holzhandelsprojekt-erlaubt-illegalen-holzeinschlag-und-waldzerst%C3%B6rung-und-versagt-bei Online Film-Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda“: http://www.youtube.com/watch?v=Jnqg12v4qJQ Fast immer verschwinden Ureinwohner von unserer Erde leise, ohne das es von der Weltöffentlichkeit zur Kenntnis genommen wird. Heimlich werden sie massakriert, siechen - verborgen in Regenwäldern und Savannen an fremden Krankheiten dahin oder werden von ihren Stammesgebieten vertrieben und kulturell von der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung absorbiert. Fern jedweder Aufmerksamkeit führten sie vor diesen Ethnoziden und Genoziden jedoch oft einen jahrelangen verzweifelten Kampf gegen die nach ihrer Existenz greifende Zivilisation. Ihr Schicksal hängt somit weniger von ihnen selbst ab, sondern von äußeren Einflüssen, die ihren Lebensraum zerstören und ihre Kulturen untergraben. Unverhohlen greift das westliche System des „Habens“ nach den letzten Rückzugsgebieten des „Seins“ und nimmt es zum Zwecke des eigenen Wachstums unter dem Deckmantel von Klimaschutz billigend in Kauf, dafür auch über Leichen zu gehen. Was oftmals übrig bleibt, ist die exekutierte Vielfalt durch die installierte Einheit. Doch ein kulturell-ethnisches Spektrum ist für die menschliche Art das, was die biologische Diversität für den genetischen Reichtum der Natur ist: Voraussetzung ihrer Stabilität. Wir, Freunde der Naturvölker e.V. (FdN), friends of Peoples close to Nature (fPcN), setzen uns dafür ein, dass die Stimmen dieser Völker gehört werden und der weltweiten Entwicklung in dieser Richtung Einhalt geboten wird! |
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Was auf den ersten Blick positiv zu wirken scheint, das Klima- und Naturschutz per se gut ist, entpuppt sich auf dem zweiten Blick als die größte Katastrophe der Neuzeit für indigene Völker auf unserem Planeten. Der westlich geprägte Klimaschutz, mit seinem forcierten Anbau von Bioethanol und Palmöl für die westliche Mobilität (E 10), mit seinem Bau von gigantischen Wasserkraftwerken und dem Ausbeuten der letzten Uranvorkommen für angeblich klimafreundlichem Strom sowie der Schaffung von Nationalparks (Siehe in unserem Medienbereich den fPcN Film „Conservation Refugees“), führt zur vollständigen Eliminierung von einzigartigen Kulturen, die seit zig Tausenden von Jahren existieren und nun innerhalb kürzester Zeiträume vor der Exekution stehen. Sie gehören zu jenen Völkern, die sich durch ihre Lebensweise in das Planungsschema der immer weiter um sich greifenden Konsum- und Leistungsgesellschaft nicht ohne weiteres eingliedern lassen. Mit ihnen gehen einzigartige Kulturen einschließlich der damit verbundenen Naturreligionen und –philosophien sowie ihre Wertvorstellungen verloren.