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Naturvölker Paraguays: Geschichte, Situation und Bedrohung Drucken E-Mail
Samstag, 14. April 2007
von Benno Glauser   
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Naturvölker Paraguays: Geschichte, Situation und Bedrohung
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Kategorie SüdamerikaIn Paraguay werden die isolierten Völker/Gruppen allgemein, in den Medien und in der Amtssprache als „Moros (Wilde)“ bezeichnet. Es handelt sich um indigene Gruppen, die keinen Kontakt zur modernen Gesellschaft haben und sich diesem auch widersetzen. Sie leben gemäß ihren überlieferten Kulturen in einer „anderen Welt“. Ihre Kenntnis der Industriegesellschaft ist dürftig. Sie versuchen sie in ihre Weltanschauung zu integrieren, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Indigene Isolierte Gruppen: Es gibt mehrere lokale Gruppen des Ayorèode-Volkes in verschiedenen Gebieten im Norden des Chaco. Ihnen ist gemeinsam, dass sie noch keinen Kontakt zur kolonisierenden Gesellschaft haben und ihn ablehnen. Dieses schließt den Kontakt zu den Ayorèos aus, die kontaktiert wurden und außerhalb des Waldes leben. (Siehe auch unseren Film zur Problematik)

 
Paraguay – Indigene Isolierte Völker und Erst-Kontaktierte

Definitionen:
In Paraguay werden die isolierten Völker/Gruppen allgemein, in den Medien und in der Amtssprache als „Moros (Wilde)“ bezeichnet. Es handelt sich um indigene Gruppen, die keinen Kontakt zur modernen Gesellschaft haben und sich diesem auch widersetzen. Sie leben gemäß ihren überlieferten Kulturen in einer „anderen Welt“. Ihre Kenntnis der Industriegesellschaft ist dürftig. Sie versuchen sie in ihre Weltanschauung zu integrieren, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.

In Paraguay bestehen folgende drei Situationen:
Indigene Isolierte Gruppen: Es gibt mehrere lokale Gruppen des Ayorèode-Volkes in verschiedenen Gebieten im Norden des Chaco. Ihnen ist gemeinsam, dass sie noch keinen Kontakt zur kolonisierenden Gesellschaft haben und ihn ablehnen. Dieses schließt den Kontakt zu den Ayorèos aus, die kontaktiert wurden und außerhalb des Waldes leben.

Indigene Isolierte Gruppen in Erst-Kontakt: Es handelt sich um verschiedene lokale Gruppen des AyorèodeVolkes, die in jüngster Vergangenheit kontaktiert wurden. Zu ihnen gehören die in 2004 und 1998, neben den 1986 gewaltsam  Kontaktierten. Die Bedingung „in Erst-Kontakt sein“, bezieht sich auf die Zeit, die nötig ist, bis eine Gruppe dauerhaft ansässig gemacht ist im Kontakt zur Zivilisation. Diese Phase ist abgeschlossen durch die Bewältigung und Umstellung des Lebens in radikal veränderte Verhältnisse.

Indigene Gruppen, die trotz Kontaktierung in die freiwillige Isolierung zurückkehrten: Zu ihnen gehören die Manyu im Nordosten des Chaco (zw. Santa Rosa und Pilcomayo-Fluß), einige Gemeinschaften der Mbyà in den Bergen von Ybyturuzu und San Rafael (Ost-Paraguay) und die Achè in der Sierra Mbaracajù.
Nachfolgende Ausführungen beziehen sich auf a) sowie Besonderheiten zu b).

Aktuell durch Isolierte Ayorèo-Gruppen genutzte Gebiete:
Die Indigenen Isolierten Gruppen (Isolados) im Nord-Chaco gehören ausschließlich der Ethnie der Ayorèode (Sprachfamilie: Zamuco) an. Es handelt sich um identifizierte und nicht identifizierte verschiedene lokale Gruppen. Sie beanspruchen etwa die Hälfte des ursprünglichen AyorèodeGebietes von Paraguay sowie zusätzliche Räume im angrenzenden Bolivien (insges. ca. 100.000 km²). Folglich ist der Schutz ihres Lebens und ihrer Rechte grenzüberschreitend notwendig. Das traditionelle Ayorèode-Land betrug ca. 320.000 km². Es erstreckte sich in der Süd-Nord-Ausdehnung vom Zentral-Chaco  in Paraguay bis zu den Chiquitania-Bergen Boliviens. Die West-Ost-Ausdehnung ging von den Flusstälern des Pilcomayo, Parapiti und Rio Grande bis zum Rio Paraguay (ohne Flusszonen). Der Kernbereich dieses Areals stellt heute das letzte zusammenhängende Wildnisgebiet des Gran Chaco Amerikas dar, das einst von Nord-Argentinien bis Südost-Bolivien reichte. Das Überleben der Isolados hängt unmittelbar von diesem letzten Urwaldbestand ab, der durch seine relative Unversehrtheit (wenige fremde Eindringlinge) ein hohes Maß an Schutz bietet. In diesem Territorium bestehen fünf staatliche Schutzgebiete bzw. Nationalparks in Paraguay sowie zwei in Bolivien.
Die Anwesenheit der Isolados trägt zum Schutz des Urwaldes bei. Sie erhöht sich adäquat in dem Maße, wie die Gesellschaft beider Staaten das Existenzrecht dieser Gruppen annimmt und ihre Rechte stärkt, incl. das Recht auf eigene Lebensweise und Integrität derselben.

Geografische Lage und Gruppenzahlen:
Bisher konnten verschiedene Haupt-Zonen der Isolados identifiziert werden. Sie emigrieren jedoch auch in andere Gebiete, mitunter sind diese sehr entfernt. Wenn man von Gruppengebiete spricht, ist aber zu beachten, dass die Ayorèode analog „Nomaden“ agieren. D.h. jede Lokalgruppe oder Untergruppe nutzt ein relativ ausgedehntes Gebiet, in dem sie sich ständig bewegt, ohne geografisches Zentrum oder festgelegten Wanderwegen. Die Lebenskultur der Gruppen ist der Charakteristik des Gebietes angepasst, indem sie leben (z.B.: Eine Gruppe, die in den Trockengebieten der sandigen Palmwälder des äußersten Nordwesten des paraguayischen Chaco lebt, wird sich nur schwer anpassen an die feuchten Zonen und dichteren Trockenwälder im Norden des Zentral-Chaco).

Aktuell zeigen folgende Zonen die Präsens Isolierter Gruppen:
Amotocodie und Chunguperedate (Depart. Boqueron/ nördl. Zentraler Chaco bis Süden NP Defens. Chaco, westl. Str. nach Madrejon u. östl. Str. 4 de Mayo)
Teilgebiet des traditionellen Territoriums der Totobiegosode (Depart. Alto Parguay/ östl. der Straße nach Madrejon, Gebiet unterhalb Fortin Torres)
NP Mèdanos
Durch die Grenze durchtrenntes Gebiet des Palmenwaldes südwestlich und westlich der Islas (Inseln) Paraguay sowie im Süden, Westen und möglicherweise nordwestlich des Berges San Miguel (Bolivien), einschließlich der Salinas (Salzseen), innerhalb des NP Ka` a Iya.
Außerdem (ohne Bestätigung): Zone nördlich Chovoreka und NP Chovoreka (Paraguay) und Otuquis (Bolivien)

Darüber hinaus gibt es Spuren der unregelmäßigen Anwesenheit in anderen Zonen, die wahrscheinlich Ausdruck einer Migration zwischen den o. g. Arealen in Verbindung mit historischen Bewegungskorridoren sind. Von den durch die Isolierten Ayorèos genutzten Gebieten liegen 16.000 km² in Öffentlichen Schutzgebieten oder Nationalparks. Der große Rest sind Privatländereien mit hunderten von Eigentümern (Paraguayer, einschl. Mennoniten und Ausländer). Die Anzahl und Größe der Isolados-Gruppen kann man nur schätzen.  Es sind 3 – 5 verschiedene Gruppen  ohne Kontakt zu einander  mit einer Größe von 10 – 25 Personen. In manchem Fall handelt es sich um eine Familie oder um einzelne, die im Wald leben, ohne Kontakt zur Außenwelt. Die Gesamtzahl dieser Personen dürfte mehr als 50 sein.
Die beste Kenntnis gibt es über jene Letzten, die zur Lokalgruppe der Totobiegosode gehören und noch ohne Kontakt zur Außenwelt sind. Das Wissen über sie stammt von den beiden Ttbiegosode-Gruppen ab, die 1986 sowie 2004 kontaktiert wurden. Es sind ihre Blutsverwandten. Es soll sich um ca. 10 namentlich bekannte Personen handeln, mit einem mächtigen Schamanen als Führer. Das Wissen über sie, sowie, dass man vor wenigen Jahren glaubte, sie seien die einzigen Silvicolas (Waldleute) / Moros (Wilde), führte dazu, dass die paraguayische Öffentlichkeit und Medien primär nur von den Totobiegosode ausging.


 
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