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Update: Landkaufprojekt in Paraguay für Ayoreo TOTOBIEGOSODE Drucken E-Mail
Freitag, 3. November 2006
von Ricardo John / Bernd Wegener   
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Update: Landkaufprojekt in Paraguay für Ayoreo TOTOBIEGOSODE
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Kategorie SüdamerikaUnsere Bemühungen zur Unterstützung des Landerwerbs zu Gunsten der TOTOBIEGOSODE in Paraguay wurden weiter geführt. Lt. Info des Vereins zur Unterstützung indianischer Landforderungen im paraguayischen Chaco e.V. waren bis Ende 2005 17.400 ha (79 Parzellen a 2 km² + 6 geschenkte Parzellen, somit 57 %) von Ex San Antonio gekauft.
Die paraguayische Nichtregierungsorganisation GAT, die die rechtlichen Schritte für die Gewährleistung des Titel-Indigenenlandes vor Ort begleitet, konnte die durch die Casado-Gesellschaft erreichte Aufhebung des Veränderungsverbotes im Gebiet des von den Totobiegosode geforderten Reclamo-Landes über das Oberste Gericht wieder rückgängig machen. Dieses ist ein wichtiges Ergebnis um die Gefahr der Zerstörung der noch intakten Waldgebiete (und damit des Lebensraumes der noch unkontaktierten Waldindianergruppen) zu begegnen. Weiter zum Hintergrundbericht: Ayoreo-Guidaigosode auf neuen Wegen: Vom Menschenjäger zum Menschenschützer.


In unseren Mitteilungsheften haben wir regelmäßig über die Situation der Ayorèode und das Engagement der nichtstaatlichen Organisation GAT (Gente Ambiente y Territorio Menschen, Umwelt und Territorium; früher: Gruppe zur Unterstützung der Totobiegosode), die auch von unserem Verein unterstützt wird, berichtet. GAT ist die einzige Nichtregierungsorganisation, die sich der Begleitung, incl. Landforderungen der Ayoreo-Totobiegosode-Gruppen widmet, die in den Jahren 1979, 1986 und 2004 kontaktiert wurden („post-contact“).
Die Besorgnis erregende Situation der noch freien Waldnomaden in den Dornbuschwäldern des nördlichen Gran Chaco hält unvermindert an. Aufgrund dessen hat sich vor einigen Jahren die Iniciativa Amotocodie (IAM) gegründet. Anliegen ist es, sich für den Schutz der Lebensräume, die nicht durch die in der Zivilisation lebenden Ayoreo-Totobiegosode gefordert werden, einzusetzen.
Nicht nur Waldrodungen und die Suche nach Bodenschätzen tragen zur kritischen Situation bei, sondern auch andere Ereignisse wie z.B. die jährlich stattfindende Autorally des Veranstalters EI Touring. Dieser hatte geplant die Strecke deutlich nach Norden auszudehnen und durch Amotocodie (Anm.: traditionelles Waldindianerland) zu führen. Dazu wurde im Oktober 2004 eine 72 km neue Schneise zwischen den Straßen Tte. Montania/Madrejon und Mariscal Estigarribia/Tte. Picco in den Wald gebrochen, um die beiden Straßen zu verschmelzen. Für die betreffende Region gab es zwischen Juli 2002 und August 2004 neun Nachweise, die die Anwesenheit von Waldindianern bestätigen. Die Department-Regierung befürwortete die Rally, obwohl für den betroffenen Abschnitt eine deutliche Ablehnung seitens der Bevölkerung bestand. In einer breiten Aktion über die Initiativa Amotocodie, die für den Schutz des Gebietes kämpft, der Einschaltung staatlicher Institutionen (u.a. Indianerbehörde INDI) gelang es schließlich den Lauf der Rally umzuleiten.
Im März 2005 wurden im Gebiet der ehemaligen New Tribes Mission-Siedlung Faro Moro (Gebiet Amotocodie) wieder Waldindianer gesichtet. Sie flüchteten sofort.
Das Monitoring, mit welchem die Iniciativa Amotocodie seit 2002 die Gruppen im Wald zu begleiten und zu schützen sucht, hat kürzlich auch erstmals ein vollständigeres Bild der noch im Wald und ohne Kontakt lebenden Ayoreo-Gruppen (auch Silvicolas bzw. Moros (= Wilde) genannt) in Paraguay ermöglicht.
In der vorrangig überwachten Zone gibt es ein zuverlässiges Netzwerk von "informierten Informanten".
Seit Mai 2005 nehmen an den Inspektionen immer ein bis zwei von der UNAP (Uniòn de Nativos Ayoreo de Paraquay) beauftragte Führer teil. Dies bedeutet, dass IAM bei der Auswertung der Beobachtungen nicht allein auf die eigene Urteilskraft sich verläßt, sondern auch auf die viel feinere Wahrnehmung der Ayoreos selbst, welche außerhalb der Wälder leben.
Die zuletzt durchgeführten Inspektionsfahrten im Februar 2006 ergaben, dass mindestens drei unterschiedliche verstreut lebende Gruppen existieren. Die von ihnen genutzten Zonen dehnen sich vom Gebiet Amotocodie im Süden bis zur bolivianischen Grenze (und darüber hinaus) aus. Mit ihrer ständigen Präsenz decken diese Gruppen eine weit größere Zone ab als man bislang erahnte (in vielen Zonen ging man bisher von einer eher gelegentlichen Präsenz aus).
Diese drei Gruppen, deren Anzahl bei über 50 Personen liegen muss, haben anscheinend keinen Kontakt untereinander. Die Korridore bzw. Zonen ihrer Wanderungen überschneiden sich jedoch im Gebiet von Amotocodie. Die kleinere der drei Gruppen gehört der lokalen Gruppe der Ayoreo Totobiegosode an (ca. 10 Personen). Die anderen beiden sind zahlenmäßig offensichtlich deutlich größer. Sie gehören zu (oder haben ihren Ursprung) bei lokal nicht bekannten oder nicht identifizierte Gruppen der Ayorèode.
Der Druck der im Gebiet Amotocodie und nördlich angrenzend Chunguperedate von außen auf diese Gruppen ausgeübt wird, ist enorm: Die Wälder werden für die Viehwirtschaft abgeholzt. Der Fleischpreis ist in den vergangenen sechs bis acht Monaten auf das Dreifache gestiegen.
In den nördlich davon liegenden Zonen und im Bereich der bolivianischen Grenze ist der Invasions-Druck bislang geringer. Zur Zeit läuft jedoch im Nordwesten des Chaco (innerhalb des Medanos-Nationalparks!) sehr viel. Es geht um Erdöl/Erdgas. Das Gebiet ist ebenfalls von isolierten Ayoreo- Gruppen bewohnt. ....
Im Ost West Streifen, der entlang der südlichen Grenze Boliviens verläuft, nutzen die isolierten Gruppen häufig ein Gebiet von ca. 1.600.000 ha. Zu diesem Bereich gehören sechs geschützte Urwaldgebiete und Nationalparks des Landes. Die übrigen Lebensräume dieser Gruppen in Paraguay befinden sich zu fast 100 % auf Privatgelände von über 600 Eigentümern, darunter paraguayische Großgrundbesitzer, Mennoniten und Ausländer.
Die 1998 durch die Generalstaatsanwaltschaft verfügten Schutzbestimmungen für die Waldindianer (Medidas Cuatelares) bestehen immer noch, wurden allerdings kaum beachtet und waren den Mennoniten und anderen Farmern stets ein Dorn im Auge. Die Medidas werden demnächst aufgehoben und sollen durch eine Reihe von Schutzmassnahmen ersetzt werden, welche die Iniciativa Amotocodie an einer von der Generalstaatsanwaltschaft kürzlich einberufenen, öffentlichen Versammlung vorgeschlagen hat und die von allen Seiten, auch von den Behörden, unterstützt werden. Aber die Mennoniten scheinen entschlossen, das Gebiet "zu öffnen" (was seiner Zerstörung gleichkommt), so dass IAM nicht weiß, wie weitgehend die von ihr am Verhandlungstisch durchgesetzten Maßnahmen auch wirklich umgesetzt werden. - Die Mennoniten versuchen auch immer wieder, die Existenz der Waldindianer zu leugnen. ...


 
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